
Was ist EBEC?
EBEC (Evidence Based Equine Communication) ist eine wissenschaftlich fundierte und pferdezentrierte Trainings- und Kommunikationsmethode für Pferde. Sie verbindet aktuelle Erkenntnisse der Verhaltensbiologie, Lernpsychologie und Trainingswissenschaft zu einer klar strukturierten Vorgehensweise, mit der Pferde neue Informationen verstehen, dauerhaft lernen und ihr individuelles Potenzial entfalten können.
DIE ENTWICKLUNG VON EBEC
Das EBEC-Fundament entstand in den Jahren von 2006 und 2010 im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit von Andrea Kutsch (heute Andrea Gräfin von Wedel) an einer von ihr gegründeten staatlich anerkannten Fachhochschule. Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus über 40 Professoren und Wissenschaftlern wurden wissenschaftliche Erkenntnisse über Gehirn, Verhalten, Informationsverarbeitung und Lernprozesse des Pferdes systematisch untersucht und zu einer neuen Trainingsmethode zusammengeführt.
Ein wesentlicher Bestandteil dieser Forschungsarbeit waren umfangreiche Verhaltensbeobachtungen und praktische Untersuchungen auf dem Gestüt Lewitz. Dafür stellte Paul Schockemöhle mehr als 4.000 Pferde unterschiedlichsten Alters, Ausbildungsstandes und Einsatzbereiches zur Verfügung. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bildeten die wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung von EBEC.
Am 6. Juli 2012 wurde Evidence Based Equine Communication (EBEC) als geschützter Begriff eingetragen. Seitdem wird die Methode kontinuierlich anhand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse weiterentwickelt und in der Andrea Kutsch Akademie (AKA) gelehrt, angewendet und fortlaufend überprüft und weiterentwickelt.
EBEC IST EINE METHODE – KEINE TECHNIK
EBEC beschreibt keine einzelne Übung und auch kein bestimmtes Hilfsmittel. Es ist eine wissenschaftlich fundierte Methode, die erklärt, wie Pferde Informationen aufnehmen, verarbeiten und nachhaltig lernen.
Der Unterschied ist entscheidend:
Eine Technik beschreibt den Einsatz eines Hilfsmittels – beispielsweise eines Halfters, einer Longe, eines Sattels oder einer Gerte.
Eine Methode beschreibt dagegen den gesamten Weg zum Trainingsziel. Sie beantwortet die Fragen, warum, wann, in welcher Reihenfolge und unter welchen Voraussetzungen einzelne Techniken eingesetzt werden, damit das Pferd eine Aufgabe verstehen und dauerhaft abspeichern kann. Deshalb ist EBEC unabhängig von Rasse, Alter, Ausbildungsstand oder späterer Nutzung des Pferdes anwendbar – vom Fohlen bis zum Sport- oder Problempferd. Aufgrund des wissenshcfatlich untersuchten Weges ist EBEC lehrbar.
WARUM EBEC
Pferde werden nicht mit der Motivation geboren, geritten zu werden, einen Anhänger zu betreten oder auf Schenkelhilfen zu reagieren. Diese Fähigkeiten entstehen erst durch Lernprozesse. EBEC beschäftigt sich deshalb nicht in erster Linie mit der Frage, welches Verhalten ein Pferd zeigen soll, sondern wie dieses Verhalten überhaupt entstehen kann. Durch das Verständnis von Wahrnehmung, Informationsverarbeitung, Emotionen, Instinkten, Körpersprache und Lerntheorien entstehen Trainingssituationen, in denen das Pferd neue Aufgaben sicher, verständlich und möglichst stressfrei lernen kann.
Das Ziel ist ein Pferd, das Aufgaben versteht, Vertrauen entwickelt und motiviert mitarbeitet – nicht aus Unsicherheit oder Vermeidung, sondern weil der Lernprozess aus seiner Perspektive logisch aufgebaut wurde. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, auf denen EBEC basiert, wurden zu einer klar strukturierten Ausbildungsmethodik zusammengeführt. Grundlage dafür ist die in Abbildung 1 dargestellte EBEC-Pyramide, deren fünf Ebenen alle Voraussetzungen erfolgreichen Lernens miteinander verbinden – von den physiologischen und psychologischen Bedürfnissen des Pferdes über Kommunikation und Lerntheorien bis hin zur klaren Zielsetzung jeder Trainingseinheit.
Sie bildet das Fundament sämtlicher Lehrgänge der Andrea Kutsch Akademie und sorgt dafür, dass Trainingsentscheidungen wissenschaftlich fundiert, nachvollziehbar und konsequent aus der Perspektive des Pferdes getroffen werden.
Die EBEC-Pyramide bildet die Grundlage der gesamten EBEC-Methode. Sie beschreibt die fünf Ebenen, die für erfolgreiches, nachhaltiges und pferdegerechtes Lernen entscheidend sind und in jeder Trainingseinheit aufeinander aufbauen.
Die erste Ebene umfasst die physiologischen und psychologischen Bedürfnisse von Pferd und Mensch. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann ein Pferd Informationen aufnehmen, verarbeiten und nachhaltig lernen. Darauf baut die interspezifische Kommunikation auf. Sie schafft eine gemeinsame Verständigung zwischen Mensch und Pferd und bildet die Grundlage für Vertrauen, Orientierung und gegenseitiges Verständnis. Auf dieser Basis werden die Lerntheorien konsequent aus der Perspektive des Pferdes angewendet. Dadurch werden Trainingsprozesse nachvollziehbar, Lernschritte planbar und gewünschte Verhaltensänderungen nachhaltig aufgebaut. Die oberste Ebene bildet schließlich die klare Zielsetzung. Sie sorgt dafür, dass jede Trainingseinheit individuell auf die Fähigkeiten, den Ausbildungsstand und die aktuellen Voraussetzungen von Pferd und Mensch abgestimmt wird. So kann das vorhandene Potenzial optimal entwickelt und das bestmögliche Trainingsergebnis erreicht werden.
Die fünf Ebenen der EBEC-Pyramide greifen in jeder Trainingseinheit ineinander. Sie unterstützen EBEC-Trainer dabei, Trainingsentscheidungen objektiv zu treffen, Lernprozesse systematisch zu planen und Pferde konsequent aus ihrer eigenen Perspektive auszubilden. EBEC setzt deshalb nicht nur fundiertes Wissen über Pferde voraus, sondern ebenso die Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse sinnvoll in die tägliche Trainingspraxis zu übertragen. Auf Grundlage natürlicher Verhaltensweisen, aktueller Forschungsergebnisse und der korrekten Anwendung der Lerntheorien entstehen individuelle Trainingspläne, die sich am Lernverhalten, Entwicklungsstand sowie an den physiologischen und psychologischen Voraussetzungen jedes einzelnen Pferdes orientieren.
Geschichte

Die Entwicklung des Pferdetrainings wurde über viele Jahrzehnte von unterschiedlichen Denkansätzen geprägt. Diese Ansätze wurden im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit an der von Andrea Kutsch gegründeten staatlich anerkannten Fachhochschule systematisch untersucht und wissenschaftlich überprüft. Jede Epoche hat wichtige Erkenntnisse hervorgebracht und unser Verständnis vom Pferd erweitert. Gleichzeitig zeigte jede dieser Entwicklungen auch ihre Grenzen auf und war Ausgangspunkt für neue wissenschaftliche Fragestellungen.
Mit der Veröffentlichung des „Gymnasium des Pferdes“ von Gustav Steinbrecht im Jahr 1884 entstand eine systematische Beschreibung der klassischen Pferdeausbildung. Der Schwerpunkt lag auf der Ausbildung des Pferdes aus der Perspektive des Menschen und legte den Grundstein für die klassische Reitlehre, in der das Pferd gehorsam üben musste.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Erkenntnisse der klassischen Lerntheorien zunehmend auf das Tiertraining übertragen. Die Arbeiten von Iwan Pawlow und später die operanten Lerntheorien lieferten wertvolle Erkenntnisse über Lernprozesse. Sie entstanden jedoch nicht aus der Perspektive des Pferdes, sondern wurden ursprünglich an anderen Tierarten untersucht und anschließend auf das Pferd übertragen.
Ab den 1990er-Jahren gewann die Beobachtung freilebender Pferde zunehmend an Bedeutung. Aus dem natürlichen Sozialverhalten der Pferde entwickelten sich neue Ansätze der Mensch-Pferd-Kommunikation, bei denen insbesondere Körpersprache und das Herdenverhalten im Mittelpunkt standen. Gleichzeitig stellte sich die wissenschaftliche Frage, inwieweit sich die Kommunikation zwischen Pferden unmittelbar auf die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd übertragen lässt.
Genau an diesem Punkt begann die Entwicklung von EBEC (Evidence Based Equine Communication). Mit Gründung der eigenen Fachhoschule entstand eine mehrjährige Forschungszeit mit zahlreichen Studienergebnissen, die die Vergangenheit auf den Kopf stellte. Die bisherigen Erkenntnisse des Pferdetrainings wurden in der Andrea Kutsch Akademie systematisch überprüft und aus einer konsequent pferdezentrierten Perspektive neu betrachtet. Dabei standen nicht einzelne Trainingsmethoden oder Hilfsmittel im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Pferde Informationen tatsächlich wahrnehmen, verarbeiten und lernen.
Hierfür wurden wissenschaftliche Erkenntnisse über Gehirn, Wahrnehmung, Instinkte, Emotionen, Verhalten und Informationsverarbeitung des Pferdes mit den klassischen und operanten Lerntheorien zusammengeführt und konsequent aus der Perspektive eines Fluchttieres neu bewertet. Gleichzeitig wurden die Unterschiede zwischen der Kommunikation unter Pferden (intraspezifische Kommunikation) und der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd (interspezifische Kommunikation) wissenschaftlich untersucht.
Aus dieser umfangreichen Forschungsarbeit entstand EBEC – eine wissenschaftlich fundierte und pferdezentrierte Trainings- und Kommunikationsmethode, die Lernprozesse konsequent aus der Perspektive des Pferdes erklärt und gestaltet. Sie verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer klar strukturierten Methodik und bildet heute die Grundlage der Ausbildung in der Andrea Kutsch Akademie.
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Literatur
- Andrea Kutsch: Die Pferdeflüsterin: Wie man mit Pferden spricht und ihnen antwortet. Cadmos, 2005, ISBN 978-3-86127-620-3.
- Andrea Kutsch: Die Pferdeflüsterin erzählt. Lübbe, Bergisch Gladbach 2006, ISBN 978-3-7857-2057-8
(auch in polnischer Sprache erschienen ISBN 978-83-7579-026-9). - Andrea Kutsch: Die Pferdeflüsterin antwortet. Lübbe, Bergisch Gladbach 2007, ISBN 978-3-7857-2312-8.
- Andrea Kutsch: Aus vollem Herzen. Wie ich erst die Pferde verstand und dann das Leben. Lübbe, Köln 2018, ISBN 978-3-431-04113-2.
- Andrea Kutsch: Aus dem Blickwinkel des Pferdes. Franckh Kosmos Verlag Stuttgart 2019, ISBN: 978-3440167663
